Buchwertfortführung oder Anschaffungskosten durch zivilrechtliche Nachlassspaltung

Der Nachlass eines verstorbenen Vaters bestand im Wesentlichen aus drei in den „alten“ Bundesländern gelegenen Grundstücken und einem Grundstück auf dem Gebiet der ehemaligen DDR. Nach dem Erbschein beerbte die Mutter ihren verstorbenen Ehemann zu ½ und die vier Kinder zu je 1/8. Bezüglich des in den „neuen“ Bundesländern gelegenen Grundstücks wurde die Mutter zu ¼ und ihre Kinder zu je 3/16 beerbt. Die Beteiligten setzten sich anschließend durch Realteilung des Nachlasses auseinander.

Nach Auffassung des Bundesfinanzhofs liegt zivilrechtlich eine Nachlassspaltung vor. Sie ist jedoch für die ertragsteuerliche Beurteilung unbedeutend. Diesbezüglich ist für die Frage, ob der Buchwert für ein Grundstück fortzuführen ist oder ob neues AfA-Volumen schaffende Anschaffungskosten vorliegen, entscheidend darauf abzustellen, ob der Wert des Erlangten den Wert des Erbanteils übersteigt und dadurch Ausgleichszahlungen an die Miterben geleistet werden müssen.

Im Urteilsfall sind durch den Erbfall zwei unterschiedliche Erbengemeinschaften entstanden. Die Erben hatten die Möglichkeit, sich hinsichtlich jeder Gemeinschaft einzeln oder ‑ wie vorliegend der Fall ‑ unter Einbeziehung aller personengleichen Erbengemeinschaften in einem Vorgang auseinanderzusetzen. Für die ertragsteuerliche Beurteilung, ob es sich dabei um eine neutrale Realteilung handelte oder ob teilweise Anschaffungs- und Veräußerungsvorgänge vorlagen, war sodann auf diesen einheitlichen Vorgang und auf den gesamten Nachlass abzustellen.